Never change a winning show?

Konzertkritik: Alice Cooper @ Samsung Hall
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© Bäckstage

Wer Alice Cooper schon mal live gesehen hat, weiss, was einen erwartet. Der Rocker fährt jeweils alle Geschütze auf und bietet seinen Fans nicht nur gute Musik, sondern auch eine richtig unterhaltsame Show. Nur überrascht wird man dabei schon lange nicht mehr.

 

Gut, ein bisschen anders ist es diesmal schon, am 29. November in der Zürcher Samsung Hall. Vor allem hat sich die Setlist geändert. Sie bietet einen bunten Mix aus unglaublichen 13 Alben. Sogar das neuste Werk «Paranormal», das diesen Sommer erschienen ist, wird nur mit einem Song («Paranoiac Personality») bedacht. Ausserdem wird der Sänger jeweils von einer Frau mit sehr bunten Haaren unterstützt, die jeweils aus einer grossen Kiste hervorkommt, mit neuen Jacken eingekleidet. Und seine Frau Sheryl ist diesmal nicht nur als gruselige Krankenschwester, sondern auch als aufziehbare Puppe auf der Bühne unterwegs.

 

Schnell merkt man aber, dass sich an der Show selbst nur kleinere Dinge geändert haben. Schlüsselszenen sind geblieben. Dazu gehören etwa die «Feed my Frankenstein»-Nummer, wo schliesslich ein überdimensionales Frankenstein-Monster auf der Bühne umherwandelt, oder die Psychiatrie-Performance zu «Cold Ethyl» mit Zwangsjacke, Krankenschwester und Guillotine. Auch wird als fulminanter Schlusspunkt noch immer auf «School’s Out» und die dazugehörigen Riesenballons im Publikum gesetzt. 

 

Fotos: ©Bäckstage

 

Natürlich hat die Show enormes Unterhaltungspotenzial. Die aufwendigen Requisiten einfach in eine Ecke zu stellen, wäre echt schade und die Frage lautet natürlich auch: Könnte es eine neue Show überhaupt mit der jetzigen aufnehmen? Trotzdem, nach ein paar Jahren kann man den Fans, die immerhin jedes Mal einen Haufen Geld für das Konzert bezahlen, eigentlich auch mal etwas komplett Neues bieten. Wagen Sie es, Mister Cooper!

 

Auf keinen Fall ausgewechselt werden sollte allerdings die wunderbare Band, die Alice Cooper seit Jahren treu begleitet. Allesamt strotzen sie vor Energie, fügen sich in die Show ein, interagieren mit dem Publikum und sind natürlich 1A-Musiker. Besonders viel Applaus bekommt Nita Strauss, die einzige Frau in der Band. Die Gitarristin legt tolle Soli hin, springt unermüdlich auf der Bühne herum und sieht bei jeder noch so seltsamen Bewegung auch noch toll aus. Und wem Bassist Chuck Garric gefallen hat, der sollte am 14. Dezember in die Hall of Fame nach Wetzikon fahren. Dort kann man den Mann mit seiner tollen Band Beasto Blanco erleben, zu der auch Alice Coopers Tochter Calico gehört.

 

Eine Supportband gab es an diesem Abend nicht. Und da der Gig um 20:30 Uhr begann, war sie kurz nach 22 Uhr auch schon fertig. Die vielen Zuschauer verliessen ohne Stress die Samsung Hall Richtung Parkplatz oder Bahnhof. Sie sahen zufrieden aus.

 

Wie immer legte Alice Cooper mit seiner Band eine tolle Show hin. Auch mit fast 70 Jahren ist dieser Mann noch topfit und trifft seine Töne zielsicher. Eine komplett neue Show wäre aber einmal eine schöne Überraschung für sein Publikum. Wir hoffen auf die nächste Tour.

 

Alice Cooper kehrt im Juli in die Samsung Hall zurück. Dann gemeinsam mit Joe Perry (Aerosmith) und Johnny Depp unter dem Namen Hollywood Vampires. Tickets gibt es bereits. 

 

Seraina Schöpfer / Fr, 01. Dez 2017